Hildegard von Bingen - Kurzbiografie Geboren vermutlich in Bermersheim, West Franken (heute Deutschland), war Hildegard das zehnte Kind einer gut situierten Familie. Als zehntes Kind der Eltern sollte Hildegard ihr Leben der Kirche widmen. In dieser Zeit waren Klöster oft Orte des Lernens und ein willkommenes  zu Hause für Frauen mit intellektuellen Fähigkeiten. So gaben ihre Eltern sie im Alter von acht Jahren  in einem verbindlichen Ritus für das Klosterleben, mit der acht Jahre älteren Jutta von Sponheim in religiöse Erziehung. Hildegard lernte zu lesen und zu schreiben, lernte Latein, las die heiligen Schriften, und hatte Zugang zu vielen anderen Bücher von religiösem und philosophischem Charakter. Im November 1112 ging sie mit Jutta in das von Benediktinermönchen bewohnte Kloster Disibodenberg, das erst vor kurzem eine Abteilung für Frauen hinzugefügt hatte. Jutta wurde von da an ihre Äbtissin und Lehrmeisterin. Als Jutta im Jahr 1136 starb, wurde Hildegard einstimmig zur neuen Äbtissin gewählt. Mehrfach kam es zu Auseinandersetzungen mit dem Abt von Disibodenberg, weil Hildegard die Prinzipien des Mönchtums in ihrer Gemeinschaft mäßigte. So kürzte sie die durch Jutta festgelegten, sehr langen Gebets- und Gottesdienstzeiten. Offener Streit brach aus, als Hildegard mit ihrer Gemeinschaft ein eigenes Kloster gründen wollte wo Frauen unter sich waren und nicht direkt unter der Aufsicht eines männlichen Hauses. Hildegard setzte sich gegen alle Widerstände durch und argumentierte mit einem Umzug folge sie einer Order Gottes. Letztendlich wurde ihr der Umzug erlaubt und sie gründete 1147 das Kloster Rupertsberg. Der Umzug wurde 1150 abgeschlossen. Der durch Hildegards Ruf ansteigende Reichtum des Klosters wirkte sich auch auf das Klosterleben aus und rief Kritik hervor. Viele Geistliche und auch Leiterinnen anderer Klöster kritisierten, dass ihre Nonnen entgegen dem monastischen Armutsgebot angeblich luxuriös lebten und nur Frauen aus adligen Familien aufgenommen wurden. Hildegard verteidigte ihre Praxis und argumentierte, dass das Tragen von Schmuck während des Gebets Gott ehre und nicht praktizierte Selbstsucht sei. Das Kloster Rupertsberg wuchs auf bis zu 50 Frauen und da die Zahl der Nonnen im Rupertsberger Kloster ständig zunahm, erwarb Hildegard 1165 das Augustiner-Kloster in Eibingen und gründete dort ein Filialkloster, in das Nichtadelige eintreten konnten. Hildegard von Bingen starb im September 1179. Ihr Schaffen - ihre Werke Bereits in jungen Jahren hatte Hildegard Visionen. Sie verbarg diese bis sie zur Äbtissin gewählt wurde und litt lange Zeit unter Selbstzweifel, unsicher über die göttliche Herkunft ihrer Visionen. Dennoch begann sie ihre Visionen niederzuschreiben und 1147 erhielt sie von Papst Eugen III. die offizielle Erlaubnis ihre Visionen zu veröffentlichen. Heute glauben viele, dass diese Visionen krankheitsbedingt waren, vielleicht durch Migräne ausgelöst wurden. Die bekannteste Schrift der Hildegard von Bingen ist eine Trilogie (1141-1152) bestehend aus Scivias (Wisse die Wiege), Liber Vitae meritorum (Buch der Lebensverdienste) und Liber Divinorum operum (Buch der göttlichen Werke). Einige ihrer Visionen sind durchaus apokalyptischer Natur. Hildegard schrieb sogar über Medizin und Natur und es ist wichtig zu festzustellen, dass für Hildegard von Bingen, wie für viele Menschen in mittelalterlicher Zeit, Theologie, Medizin, Musik und ähnliche Themen eine Einheit bildeten, nicht getrennte Wissensgebiete. Zu ihren bekanntesten medizinischen Abhandlungen zählen Causae et Curae (Ursachen und Heilungen) sowie Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum (Buch über das innere Wesen - Beschaffenheit und Heilkraft der verschiedenen Kreaturen und Pflanzen). Zu Hildegards weiterem Werk zählen auch Theaterstücke, Gedichte und Musik. Viele ihrer Lieder und Liederzyklen sind aufgezeichnet, z.B. die Symphonia armonie celestium revelationum (Symphonie der Harmonie der himmlischen Erscheinungen), eine Sammlung geistlicher Lieder der Hildegard von Bingen. Hildegard von Bingen - Feministin? Heute wird Hildegard von Bingen als Feministin gefeiert, das muß jedoch in den Kontext ihrer Zeit interpretiert werden. Auf der einen Seite, nahm sie viele der Vorurteile der Zeit über die Minderwertigkeit der Frauen. Auf der anderen Seite übte sie wesentlich mehr Autorität als die meisten Frauen ihrer Zeit aus und  zelebrierte in ihren spirituellen Schriften feminine Gemeinschaft und Schönheit. Sie benutzte die Metapher der Ehe zu Gott, aber das war nicht ihre Erfindung, noch eine neue Metapher. Ihre Visionen haben weibliche Figuren in ihnen: Ecclesia, Caritas (himmlische Liebe), Sapientia und andere. In ihren medizinischen Texten befasste sie sich auch mit Themen, die männliche Autoren in der Regel nicht behandelten. Sie schrieb wie man mit Menstruationsschmerzen umgeht und beschrieb erstmals einen weiblichen Orgasmus. Sie schrieb also Texte zu etwas, zu dem wir heute Gynäkologie sagen. Vielleicht wegen ihrer berühmten (oder berüchtigten) Missachtung der kirchlichen Autorität, wurde  Hildegard von Bingen nie von der römisch-katholischen Kirche als Heilige kanonisiert wurde und wird abert trotzdem als Heilige verehrt. Nach modernen Standards war Hildegard von Bingen nicht so revolutionär wie sie in ihrer Zeit vielleicht gegolten haben. Sie predigte die Überlegenheit der Ordnung über Veränderung, die  der kirchlichen Macht über die weltliche Macht und die der Päpste über Könige. Hildegard von Bingen ist wahrscheinlich richtiger als prophetische Visionärin einzustufen. Weniger  als mystisch. Ihre apokalyptische Visionen über die Konsequenzen von Handlungen und Praktiken, ihr Mangel an Sorge um sich selbst und ihre Gewissheit ein Instrument von Gottes Wort für andere zu sein, unterschied sie von vielen der (weiblichen und männlichen) Mystiker ihrer Zeit.
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Hildegard von Bingen - Ärztin, Mystikerin, Visionärin, Heilige, Feministin? Ein neuer (alter) Trend